ESSEN016

Der Edelkrebs in seiner neuen Heimat „Pfahlweiher“

Als im Jahre 2004 unser Angelfreund Dr. Albrecht Martini mit dem Gedanken, die Pfahlweiher mit Edelkrebse (Astacus astacus) zu besetzen, an uns herangetreten ist, war ich zuerst ein wenig skeptisch. Gemeinsam haben wir mit Günter Krahl dann doch dieses Vorhaben angepackt. Zuerst wurden Krebsreusen ausgelegt um sicher zustellen, dass sich keine Kamperkrebse im Gewässer aufhalten, sonst wäre unser Vorhaben von vorne herein zum Scheitern verurteilt gewesen. Diese Amerikanische Krebsart ist am Aussterben unserer heimischen Edelkrebse schuld, denn sie trägt den Erreger ins sich, der die Krebspest auslöst. (Siehe Vereinsmitteilung 2005)

 

Als nach mehreren Beprobungen keine anderen Krebsarten festgestellt wurden, sind dann im Herbst 2004, 500stck einsömmerige Edelkrebse, mit einer Größe von ca. 1,5 - 2 cm, in beide Pfahlweiher eingesetzt worden.

Im Jahr darauf, haben wir nochmals 250stck einsömmerige Edelkrebse dazu eingesetzt. In der bangen Hoffnung, dass die kleinen Kerlchen bei ihrer Häutung, nicht von den im Gewässer befindlichen Fischen gefressen werden, haben wir bis zum Herbst 2007 abgewartet. Es wurden zwei original Krebsreusen gekauft, denn zu den Beprobungen hatte ich einen großen Drahtsetzkescher zur Krebsreuse umfunktioniert, mit einem toten Fisch beködert und in die Teiche ausgebracht.

 

In den nächsten Tagen waren Günter und ich sehr unruhig, denn wir konnten kaum den Samstag erwarten an dem wir die Reusen heben sollten.

Doch, als wir dann die Reusen bargen, kamen wir aus dem Staunen nicht heraus, was wir sahen, konnten wir zuerst gar nicht glauben. In der einen Reuse waren drei Edelkrebse und in der anderen zwei. Es waren drei Männchen und zwei Weibchen mit einer Größe von 12,5 cm-14,5 cm gemessen von Kopf bis Schwanz und wogen 76 gr.-123 gr. Wir hatten dann noch zweimal die Reusen an anderen Stellen ausgebracht und immer waren Krebse drin.Als am 8.11.2007, die Reusen gehoben wurden, war nur noch eine da und die Anderer gestohlen worden. Trotz dieser Untat, war unsere Freude groß, über das Abwachsen unserer „kleinen Kerlchen“, denn dieses Jahr werden sie zum ersten Mal ablaichen und hoffentlich eine starke Population Astacus astacus bilden.

So ist uns doch gelungen wovon andere nur Reden: nämlich „Naturschutz“.

Wir haben der Natur ein Stück seiner verloren gegangener Art zurückgeben!

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Georg-Heinrich Fries

1. Gewässerwart

 

 

Wiedereinbürgerung der Edelkrebse im Pfahlweiher

 

Im Herbst 2004 wurde in die Pfahlweiher 500 Krebse eingebracht. WARUM?

In kurfürstlicher Zeit gab es noch solch unvorstellbare Mengen an Edelkrebsen, dass auf Verfügung des "Allererlauchtesten Regenten" dem schwer arbeitenden Gesinde nicht mehr als einmal pro Woche Krebs oder Lachs vorgesetzt werden durfte - d.h. Krebs und Lachs waren durchaus nicht den höheren Bevölkerungsschichten alleine vorbehalten. Die überreichen Krebsbestände der damaligen Zeit wurden jedoch in nur wenigen Jahrzehnten fast völlig dahingerafft. So wird berichtet, dass innerhalb weniger Wochen die Krebsbestände ganzer Flusslandschaften zugrunde gingen.

Der Seuchenzug ohnegleichen begann ca. 1860 in der Lombardei, trat 10 Jahre später im südlichen Frankreich auf und erreichte bereits 1878 das Badische und ca. 1880 Bayern. Bereits Jahr ein später, bis zum Jahre 1883, wurden die ungewöhnlich großen Bestände von Brandenburg, Pommern und dem gesamten Odergebiet heimgesucht. Die Weichsel wurde nach gesicherten Erkenntnissen ca. 1884 überschritten und bereits 1890 fand die Krebspest in den Masurischen Seen, Russland, und Finnland ihre Opfer. Relativ spät, erst gegen 1907, wurde Schweden befallen.

Da die Krebspest auch heute noch als Erreger aktiv ist, wird unser Edelkrebs nur noch in wenigen isolierten Gewässern überleben können, da er dort nicht den Ansteckungsrisiken durch wandernde Importkrebse ausgesetzt ist und sich ungestört vermehren kann

Träger des Erregers und damit indirekte Auslöser der Krebspest sind die amerikanischen Flusskrebsarten! Von Natur aus resistent oder zumindest teilresistent gegen diesen Parasiten, können amerikanische Krebse lebenslange Ausscheider des Erregers sein. Durch die weite Verbreitung der amerikanischen Arten bricht die Seuche auch weiterhin aus und vernichtet heimische Flusskrebsbestände. Die Krebspest ist ein erschreckendes Beispiel, welche Auswirkungen das Aussetzen von nicht heimischen Organismen haben kann. Die nicht heimischen Flusskrebsarten sind meist durch ihre höhere

Vermehrungsrate, ihr aggressiveres Verhalten oder die höhere Toleranz gegenüber Umwelteinflüssen den heimischen Arten biologisch überlegen. Dadurch verdrängen sie diese auch ohne eine Übertragung der Krebspest aus ihren Lebensräumen. Gewässer mit einem Vorkommen fremder Flusskrebsarten sind daher grundsätzlich für unsere heimischen Flusskrebse verloren.

Die Krebse haben besondere Bedeutung für das Fluss und Seeklima. Sie fungieren als seuchenverhindernde „Gesundheitspolizei“ und tragen so zur Verbesserung der Wasserqualität bei. Das Vorkommen der Edelkrebse gibt Aufschluss über die ökologische Qualität von Flüssen und Teichen sind wichtige Zeigeorganismen. Da sie Unterwasserpflanzen und Algen verzehren, wirken sie einer Eutrophierung (Sauerstoffverarmung des Tiefenwassers durch Nährstoffübersättigung in oberen Schichten) entgegen. Auf ihrem Speiseplan stehen aber auch Schnecken, Würmer, Insektenlarven und verendete Lebewesen, die sich am Gewässerboden ablagern.

Männliche Edelkrebse können bis 18 cm. Körperlänge und bis zu 350 Gramm Gewicht erreichen. Weibchen bleiben deutlich kleiner. Der Edelkrebs wird über 15 Jahre alt. Sie gelten als Dämmerungs- und Nachtaktiv. und meiden schlammiges Wasser, da sie gerne Wohnhöhlen graben. Diese werden in Uferböschungen oder unter Steinen, Wurzeln oder Totholz angelegt.

 

 

Der „Astacus astacus“ paart sich in den Monaten Oktober und November, zwei Wochen später legt das Weibchen bis zu 350 Eier. Der Nachwuchs schlüpft im Juni/Juli und erreicht nach fünf bis sechs Häutungen im Spätherbst eine Länge von zwei bis vier Zentimetern. Im zweiten Lebenssommer sind sie bereits doppelt so groß und können sich unter günstigen Umständen bereits fortpflanzen.

DARUM!

Um der Natur ein Stück seiner Fauna zurückzugeben.         

Georg Heinrich Fries

(1. Gewässerwart)

edelkrebs1     flusskrebs

 

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